Was macht ein Imker im Herbst?
Was passiert eigentlich nach der letzten Honigernte?
Wenn die letzte Honigernte vorbei ist, ist für uns Imker noch lange nicht Feierabend. Im Gegenteil: Jetzt beginnt eine der wichtigsten Phasen des Jahres. Das Bienenvolk muss so vorbereitet werden, dass es gesund, stark und mit genügend Vorräten in den Winter geht.
Wer mit Imkerei bisher wenig zu tun hatte, denkt bei Herbst vielleicht zuerst an: Honig ist geerntet, Deckel drauf, bis zum Frühjahr passiert nichts mehr. So einfach ist es nicht.

Bei uns besteht die Vorbereitung aus mehreren Schritten. Einige davon laufen sogar parallel. Und bevor wir in Fachbegriffe abrutschen, erklären wir sie gleich mit.
Was ist eine Beute – und was sind Rähmchen?
Die Beute ist der Bienenkasten, also das Zuhause des Bienenvolks. Darin hängen Rähmchen. Das sind rechteckige Holzrahmen, in denen die Bienen ihre Waben bauen.

Auf diesen Waben wird Brut aufgezogen, Pollen gelagert und Honig eingetragen. Im Laufe der Zeit können besonders Brutwaben immer dunkler werden. Das ist ganz normal: In einer Zelle wachsen nacheinander viele Bienengenerationen heran.
1. Wabenhygiene: Alte Waben raus, helle Waben rein
Nach der letzten Ernte schauen wir uns die Waben genau an. Alte, häufig bebrütete und entsprechend dunkle Waben nehmen wir aus dem Volk. Sie werden durch helle, ausgeschleuderte Waben aus den Honigräumen ersetzt.
Die alten Waben landen bei uns nicht einfach im Müll. Wir schmelzen sie ein. Das gewonnene Bienenwachs wird im Winter weiterverarbeitet – unter anderem zu unseren Bienenwachskerzen.
Das ist einer dieser Kreisläufe, die man von außen kaum sieht: Eine alte Wabe hat im Bienenstock ihren Dienst getan und bekommt später als Kerze ein zweites Leben.
2. Varroa: Ein winziger Parasit mit großer Wirkung
Ein besonders wichtiges Thema ist die Varroamilbe, genauer Varroa destructor. Sie ist ein Parasit der Honigbiene und kann ein Volk stark schwächen. Deshalb gehört die Kontrolle und Behandlung der Varroa in der heutigen Imkerei fest zur Arbeit dazu.
Bei Imkerei Frapé arbeiten wir unter anderem mit VarroMed, einem Präparat auf Basis von Oxalsäure und Ameisensäure. Zusätzlich setzen wir Streifen ein, die die Bienen begehen und die Oxalsäure in Glycerin enthalten.
Diese Streifen bleiben über mehrere Wochen im Volk. Der Hintergrund: Varroamilben vermehren sich in der Bienenbrut. Eine länger andauernde Behandlung kann deshalb mehrere Brutzyklen erfassen.
Andere Imkereien arbeiten auch mit verdunsteter Ameisensäure. Wir selbst nutzen diese Methode nicht. Für unsere Betriebsweise bevorzugen wir die von uns eingesetzten Verfahren.
Was bedeutet eigentlich „Brutzyklus“?
Mit Brut meinen Imker Eier, Larven und Puppen der Bienen. Aus einem Ei entwickelt sich nach mehreren Stadien eine fertige Biene. Weil sich Varroamilben in verdeckelten Brutzellen vermehren, spielt der Zeitraum der Behandlung eine wichtige Rolle.
3. Einfüttern: Warum bekommen Bienen nach der Honigernte Futter?
Honig ist für uns ein Lebensmittel. Für die Bienen ist er etwas viel Grundsätzlicheres: ihr Vorrat.
Wenn wir Honig ernten, müssen wir deshalb sicherstellen, dass das Volk für die kalte Jahreszeit trotzdem genügend Nahrung hat. Bei uns geschieht das mit fertigem Invertzuckersirup.
Warum nicht einfach normalen Haushaltszucker in großen Mengen anrühren? Bei der Zahl unserer Völker wäre das in der Praxis sehr aufwendig. Außerdem verwenden wir den fertigen Sirup, weil die Zucker darin bereits in einer Form vorliegen, die den Bienen einen Teil der Umwandlungsarbeit erspart.
Unser Ziel ist, möglichst viel Energie im Volk zu lassen – besonders für den Aufbau kräftiger Winterbienen.
Was ist Invertzucker?
Invertzuckersirup besteht vor allem aus Glukose und Fruktose. Diese Zuckerarten kommen auch im natürlichen Verarbeitungsprozess von Nektar zu Honig vor. Für unsere Winterfütterung ist der fertige Sirup vor allem praktisch und gut handhabbar.
Wie viel Futter braucht ein Volk?
Wir rechnen bei uns grob mit etwa 5 bis 7 Kilogramm Futter pro Monat. Für einen Winter von ungefähr November bis März landen wir damit bei etwa 25 bis 35 Kilogramm.
Wir füttern lieber etwas großzügiger und streben mindestens rund 30 Kilogramm pro Volk an. Bleibt im Frühjahr etwas übrig, können einzelne Futterwaben später zum Beispiel bei Ablegern hilfreich sein.
Ein Ableger ist übrigens ein neu gebildetes, kleineres Bienenvolk. Auch dazu machen wir irgendwann noch einen eigenen Beitrag.
4. Mäusegitter: Warum müssen Bienen vor Mäusen geschützt werden?
Zum Einwintern gehört bei uns auch ein Mäusegitter vor dem Flugloch.
Das Flugloch ist schlicht der Eingang zur Beute. Dort herrscht im Sommer reger Verkehr. Im Winter wird es ruhiger – und genau dann kann ein warmer, geschützter Bienenkasten auch für Mäuse interessant werden.
Mit dem Mäusegitter bleiben die unerwünschten Untermieter draußen, während die Bienen weiterhin hinein- und herauskommen können.
5. Und dann? Möglichst wenig stören.
Wenn Wabenhygiene, Varroabehandlung, Einfütterung und Mäuseschutz erledigt sind, wird es für uns am Bienenstand ruhiger.
Wir versuchen dann, die Völker möglichst wenig zu stören. Auch Wildtiere oder Spechte können im Winter Unruhe verursachen. Deshalb behalten wir den Stand im Blick, ohne ständig die Beuten zu öffnen.
Der Rest ist Natur. Die Bienen wissen erstaunlich gut, was zu tun ist.
Und genau da wird es spannend: Denn die Bienen schlafen im Winter nicht einfach. Sie bilden eine Wintertraube, verbrauchen ihre Vorräte und halten ihr Volk am Leben.
Wie das funktioniert und warum Winterbienen viel länger leben als Sommerbienen, schauen wir uns im Laufe dieser Woche noch genauer an.